top of page

Manche Geschichten werden nicht erfunden.


Sie wachsen aus dem Leben.


Aus Erfahrungen, Fragen, Verletzungen, Erkenntnissen und den vielen kleinen Dingen, die wir irgendwann beginnen, mit anderen Augen zu betrachten.


„Die Frau, die nach Hause zurückkehrte“ ist eine solche Geschichte.


Vielleicht erkennst du darin etwas von dir.


Vielleicht auch nicht.


Dann nimm einfach den Erinnerungsfunken mit, der zu dir gehört.



Die Frau, die nach Hause zurückkehrte

Eine Geschichte, geschrieben von Tanja Vießmann-Schmell  | 11. August 2026 


Es war einmal eine Frau, die sehr lange unterwegs gewesen war.


Nicht, weil sie nicht wusste, wo ihr Zuhause war.


Sie wusste ziemlich viel.


Sie hatte gelesen, gelernt, gesucht, erfahren, hinterfragt, gefühlt und verstanden.


Sie wusste, wie wichtig Grenzen waren.

Sie wusste, dass der Körper Erinnerungen trug.

Sie wusste um die Kraft der Gedanken, um alte Verletzungen, Bedürfnisse, Beziehungen und die feinen Wege des Nervensystems.

Sie wusste, dass Menschen Sicherheit brauchten.

Dass Würde nicht verhandelbar war.

Dass Liebe nicht bedeutete, alles auszuhalten.

Und dass Frieden nicht dadurch entstand, dass einer schwieg, damit alle anderen zufrieden waren.


Sie wusste all das.


Und trotzdem verließ sie sich oft selbst.


Vielleicht sogar gerade deshalb.


Denn irgendwann hatte sie aus all ihrem Wissen einen neuen Anspruch gebaut.


Wenn sie es doch wusste, musste sie es schließlich auch leben.

Immer.


Sie müsste ihre Grenzen rechtzeitig spüren.

Ihre Gefühle verstehen.

Ihre Bedürfnisse kennen.

Ihre Gedanken beobachten.

Ihr Nervensystem regulieren.

Bewusst kommunizieren.

Mitfühlend bleiben.

Niemanden unnötig verletzen.

Alte Muster erkennen, bevor sie überhaupt auftauchten.


Und selbstverständlich sollte sie dabei entspannt, dankbar und möglichst gut gelaunt sein.


Die Frau hatte sich sehr intensiv mit Spiritualität und Menschlichkeit beschäftigt.


Und dabei übersehen, dass sie selbst ein Mensch war.



Die Rückkehr


Eines Tages kehrte sie nach Hause zurück, weil das Leben sie zu einer Umkehr gezwungen hatte.


Eigentlich war „eines Tages“ nicht ganz richtig.


Ihre Rückkehr hatte viele Jahre gedauert.


Und wenn sie ehrlich war, hatte es einen Moment gegeben, in dem sie auch hätte gehen können.


Ganz gehen.


Für einen Augenblick hatte sie an einer Schwelle gestanden, an der das Leben nicht mehr selbstverständlich gewesen war.


Sie hätte gehen können.

Und die Verlockung war groß gewesen.


Doch sie kam zurück.


Wegen ihrer Kinder.


Wegen der Liebe.


Wegen des Lebens.


Vielleicht auch, weil tief in ihr etwas wusste, dass ihre Geschichte noch nicht zu Ende erzählt war.


Seitdem war sie Schritt für Schritt nach Hause gegangen.


Nicht zu einem Haus.


Zu sich.


Als sie schließlich die Tür öffnete, blieb sie erst einmal stehen.


„Ach du meine Güte“, sagte sie.


Offenbar hatte während ihrer langen Abwesenheit niemand aufgeräumt.


In den Zimmern lagen Erwartungen herum, die irgendwann andere Menschen dort abgestellt hatten.


Auf einem Stuhl stapelten sich alte Glaubenssätze.


In einer Ecke standen mehrere Kisten mit der Aufschrift:


Musst du unbedingt noch aufarbeiten.


Daneben:

Hättest du längst verstanden haben müssen.


Und ganz hinten entdeckte sie einen besonders schweren Karton.

Was stimmt eigentlich nicht mit dir?


Sie betrachtete ihn lange.

Dann holte sie einen dicken schwarzen Stift.


Sie strich die Beschriftung durch und schrieb darunter:

Was ist dir passiert – und was hättest du damals gebraucht?


Der Karton wurde nicht leichter.

Aber etwas in ihr wurde es.



Die Küche


Dann ging sie in die Küche.


Dort wurde es endgültig absurd.


Auf dem Esstisch lagen die aktuellen Coronavorschriften ausgedruckt und daneben die Pläne, wann welches Kind Präsenz- oder Onlineunterricht hatte.


Im Kühlschrank fand sie Dinge, die dringend entsorgt werden mussten und die ihr gar nicht gehörten.


Sie entdeckte Verantwortung, die gar nicht ihre war.


Schuldgefühle mit längst überschrittenem Haltbarkeitsdatum.


Die Erwartungen anderer.


Einige fremde Ängste.


Drei angebrochene Packungen schlechtes Gewissen.


Und ganz hinten ein Glas mit der Aufschrift:


Sei nicht so empfindlich.


Sie nahm es heraus.


Betrachtete es.


Und musste plötzlich lachen.


„Das ist ja seit Jahrzehnten abgelaufen.“


Sie warf es weg.



Das besonders ordentliche Zimmer


In einem anderen Zimmer sah es auf den ersten Blick erstaunlich ordentlich aus.

Fast zu ordentlich.


Auf einem Regal standen fein säuberlich beschriftete Gläser.


Mitgefühl.

Verständnis.

Vergebung.

Bedingungslose Liebe.


Die Frau kannte sie alle.


Sie hatte früh gelernt, hinter das Verhalten anderer Menschen zu schauen.


Sie sah ihre Verletzungen.

Ihre Erfahrungen.

Ihre Ängste.

Ihre Traumata.

Sie verstand, dass Menschen andere Menschen oft dort verletzten, wo sie selbst verletzt worden waren.


Und weil sie so vieles verstehen konnte, glaubte sie lange, sie müsse auch vieles verzeihen.


Sehr vieles.


Zu vieles.


Denn irgendwann hatte sie Verständnis mit Grenzenlosigkeit verwechselt.


Sie hatte Mitgefühl mit allen anderen Menschen – und dabei das Mitgefühl für sich selbst komplett vergessen.


Wenn jemand sie verletzte, fragte sie zuerst:

Was muss diesem Menschen passiert sein, dass er so handelt?


Viel seltener fragte sie:

Was hat diese Handlung eigentlich mit mir gemacht?


Sie konnte erklären, warum ein Mensch so geworden war.


Sie konnte seine Kindheit betrachten.

Seine Verletzungen.

Seine Ängste.

Seine unbewussten Muster.


Und während sie all das verstand, saß irgendwo in ihr eine verletzte Frau und wartete darauf, dass endlich einmal jemand fragte:


Und wie geht es dir damit?

Das war ihr zu diesem Zeitpunkt aber noch gar nicht bewusst.


Später würde sie dafür einen Begriff kennenlernen: spirituelles Bypassing.


Die Möglichkeit, spirituelle Vorstellungen, Bewusstsein oder vermeintlich bedingungslose Liebe auch dazu zu benutzen, schmerzhafte Gefühle zu umgehen.


Doch damals wusste sie das noch nicht.

Damals glaubte sie, besonders bewusst zu handeln.


Wenn Wut kam, schämte sie sich für ihre Wut.


Wenn sie Hass empfand, erschrak sie über sich selbst.


Wenn sie einem Menschen nicht vergeben konnte, fragte sie sich, ob sie noch nicht weit genug entwickelt war.


Sie wollte doch lieben.

Verstehen.

Bewusst sein.


Und so legte sie über manche ihrer tiefsten Verletzungen eine Decke aus Verständnis.


Die Decke war wunderschön.


Darunter tat es trotzdem weh.


Erst viel später begann sie zu verstehen, dass auch dies einmal eine Überlebensstrategie gewesen war.


Vielleicht hätte sie das ganze Ausmaß dessen, was geschehen war, zu einem früheren Zeitpunkt gar nicht tragen können.


Vielleicht hatte ihr Verständnis für andere ihr geholfen, nicht komplett zu zerbrechen.

Dieser Gedanke veränderte etwas.


Sie musste sich nun nicht auch noch dafür verurteilen, dass sie sich so lange selbst übergangen hatte.


Sie konnte sagen:


Auch das hat mir einmal geholfen zu überleben.


Und gleichzeitig durfte sie etwas Neues lernen.


Mitgefühl mit anderen musste nicht länger bedeuten, sich selbst zu verlassen.



Die Frau, die sie zurückhaben wollte


Dabei half ihr nicht nur ihr wachsendes Bewusstsein.


Es halfen ihr auch Traumatherapeuten, die sie über eine lange Zeit begleiteten.


Als sie 2024 zum zweiten Mal an einen Ort zurückkehrte, an dem sie bereits im Jahr zuvor begonnen hatte, ihren Verletzungen und ihrem Körper wirklich intensiv zuzuhören, brachte sie einen ziemlich klaren Auftrag mit:


„Ich will die alte Version von mir zurück.“


Die Organisierte.

Die Strukturierte.

Die Entspannte.

Die Offene.

Die Extrovertierte.

Die Frau, die Lösungen fand.

Die wusste, was zu tun war.

Die ihr Leben im Griff hatte und auch für andere da war.


Sie wollte Version 1.0 zurück.


Schon in der ersten Sitzung begann dieser Plan auseinanderzufallen.

Diese Frau gab es nicht mehr.


Aber auch Version 2.0 passte nicht mehr zu ihr.


Die bewusste Frau.

Die spirituelle Frau.

Die Frau, die hinter allem einen tieferen Sinn suchte.

Die verstehen wollte.

Vergeben.

Lieben.

Über den Dingen stehen.

Die glaubte, mit genügend Bewusstsein irgendwann so weit zu sein, dass das Menschliche sie nicht mehr so sehr erschütterte.

Die Version, die so schwer verletzt worden war und versucht hatte, alles mit Bewusstsein zu erklären.


Auch diese Version hatte ausgedient.


Es ging überhaupt nicht darum, eine frühere Version von sich wiederherzustellen.


Aus all den Teilen, die nach dem größten Sturm ihres Lebens vor ihr lagen, durfte etwas entstehen, das es vorher noch nie gegeben hatte.


Version 3.0.


Sie musste darüber ein wenig lächeln.


Immerhin klang das erfreulich ordentlich für etwas, das sich vollkommen unordentlich anfühlte.


Sie setzte sich hin und schrieb.


Version 3.0 sollte nicht perfekter werden.


Sie sollte ganzer werden.


Sie durfte stark sein.

Und schwach.


Mutig.

Und ängstlich.


Extrovertiert.

Und introvertiert.


Klar.

Und vollkommen planlos.


Sie durfte Lösungen finden.

Und manchmal keine Ahnung haben, wie es weiterging.


Sie durfte geben.

Und endlich auch annehmen.


Sie durfte geduldig sein.

Und ungeduldig.


Angepasst, wenn sie es selbst wollte.

Und herrlich unangepasst, wenn etwas in ihr Nein sagte.


Sie durfte verletzlich sein.

Grenzen setzen.


Fehler machen.

Unperfekt sein.


Sie durfte einen Menschen verstehen.

Und sie durfte einmal überhaupt kein Verständnis für sein Verhalten haben.


Sie durfte sehr bewusst sein und trotzdem menschlich reagieren.


Sie durfte wütend sein, obwohl sie Mitgefühl kannte.


Sie durfte eine Grenze setzen, obwohl sie die Geschichte des anderen verstand.


Sie durfte verletzt sein, ohne daraus ein Versagen ihres Bewusstseins zu machen.


Und sie durfte einen Menschen lieben und trotzdem entscheiden, dass er keinen Platz mehr in ihrem Leben hatte.


Sie durfte lernen, dass Liebe sie nicht länger zur Selbstaufgabe verpflichtete.



Bewusstseins-Burnout


Erst jetzt bemerkte sie, wie anstrengend es gewesen war, ständig bewusst sein zu wollen.


Jede Reaktion beobachten.

Jedes Gefühl einordnen.

Jede Verletzung verstehen.

Jeden Konflikt aus einer höheren Perspektive betrachten.

Jedes Muster erkennen.

Jede Begegnung als Lernaufgabe begreifen.

Jeden Schmerz möglichst sinnvoll transformieren.


Die Frau hatte sogar aus Bewusstsein irgendwann eine Leistung gemacht.


Bis irgendwann nichts mehr ging.


Vielleicht, dachte sie später, war es eine Art Bewusstseins-Burnout gewesen.


Nicht, weil Bewusstsein ihr geschadet hatte.


Sondern weil sie vergessen hatte, dass Bewusstsein auch bedeutet, das Menschliche in sich wahrzunehmen – statt es permanent überwinden zu wollen.


Sie musste nicht über allem stehen. Sie durfte mittendrin sein.



Das Kind


Und dort, mitten zwischen all den Anteilen, die sie so lange zu ordnen versucht hatte, entdeckte sie etwas Überraschendes.


Ein Kind.


Nicht verletzt diesmal.

Nicht traumatisiert.

Nicht etwas, das aufgearbeitet werden musste.

Einfach ein Kind.


Ein Kind, das spielen wollte.

Staunen.

Lachen.

Verrückt sein.

Unsinn machen.

Barfuß laufen.

Sich begeistern.

Magie für möglich halten.

Fragen stellen, auf die niemand eine vernünftige Antwort hatte.

Und manchmal überhaupt nichts Sinnvolles tun.


Die Frau betrachtete dieses Kind lange.


Wie oft hatte sie nach Tiefe gesucht und dabei die Leichtigkeit übersehen?


Wie oft hatte sie Bewusstsein mit Ernsthaftigkeit verwechselt?


Vielleicht bestand Ganz werden nicht nur darin, die verletzten Anteile zurückzuholen.


Vielleicht wollte auch die Freude zurück.


Die Verspieltheit.

Die Neugier.

Die Unbeschwertheit.

Das Staunen.



Wut, Schmerz und die anderen ungeliebten Gäste


Und dann waren da noch die Gefühle, vor denen sie lange geflüchtet war.


Fein säuberlich in die hinterste Ecke des Hauses verfrachtet.


Ihre Wut.

Ihr Schmerz.

Ihre Verzweiflung.

Ihre Ohnmacht.

Ihre Traurigkeit.

Manchmal sogar ihr Hass.


Früher hatte sie geglaubt, diese Gefühle seien Zeichen dafür, dass sie noch nicht bewusst genug war.


Später begegneten ihr dafür andere Worte:


Heilige Wut.

Heiliger Schmerz.


Nicht, weil Wut oder Schmerz automatisch heilig wären.

Sondern weil sie begann, auch in diesen Gefühlen etwas Würdiges zu erkennen.


Ihre Wut konnte sagen:

Hier wurde meine Grenze verletzt.


Ihr Schmerz konnte sagen:

Das war mir wichtig und es wurde nicht beachtet.


Ihre Trauer konnte sagen:

Ich habe etwas verloren.


Ihre Angst konnte sagen:

Ich brauche Sicherheit und hätte mir damals Unterstützung gewünscht.


Und manchmal lag hinter der Wut eine Kraft, die sie sehr lange gebunden hatte.


Hinter dem Schmerz eine Lebendigkeit, die wieder ins Fließen kommen wollte.

Hinter der Trauer ihre Fähigkeit, tief zu lieben.


Vielleicht mussten diese Gefühle nicht überwunden werden.

Vielleicht wollten sie zunächst gefühlt und gewürdigt werden.



Ihr Körper wusste es längst


Dabei half ihr etwas, das sie auf ihrer langen Suche erstaunlich oft übergangen hatte:

ihr Körper.


Denn ihr Körper interessierte sich herzlich wenig dafür, wie bewusst sie eine Situation erklären konnte.


Er kannte keine spirituellen Konzepte.


Er las keine Bücher über bedingungslose Liebe und Bewusstseinsstufen.


Er diskutierte nicht darüber, ob Wut eine ausreichend hoch schwingende Emotion war.


Wenn etwas zu viel war, reagierte er.


Wenn eine Grenze überschritten wurde, reagierte ihr Nervensystem.


Wenn sie sich wieder einmal erklärte, warum sie Verständnis haben sollte, während in ihr längst alles Nein schrie, reagierte ihr gesamtes Körpersystem.


Ihr Nervensystem wurde irgendwann deutlicher als jedes Buch:


Bis hierhin.


Und nicht weiter.


Die Frau hatte lange geglaubt, ihr Körper müsse ihrem Bewusstsein folgen.


Nun begann sie zu verstehen:


Vielleicht musste ihr Bewusstsein endlich lernen, ihrem Körper zuzuhören und menschliche Grenzen anzunehmen.



Die Ent-Täuschung


Denn da waren ja auch noch die Enttäuschungen, die sich immer wieder meldeten.

Neue kamen hinzu.


Manche davon saßen tief.


Gerade weil sie von Menschen kamen, die ihr besonders nah gewesen waren.


Menschen, denen sie vertraut hatte.

Menschen, von denen sie sich gesehen, gehalten oder wenigstens Ehrlichkeit gewünscht hatte.

Menschen, von denen sie sich gewünscht hätte, dass sie hinterfragt hätten, was wirklich passiert war.


Manches hatte sich für sie wie Verrat angefühlt.


Lange hatte sie auch dafür Erklärungen gefunden.


Sie verstand die Ängste der anderen.

Ihre Verletzungen.

Ihre Geschichte.

Ihre Unfähigkeit, über bestimmte Dinge zu sprechen.

Sie verstand sogar, warum manche Menschen lieber über das Wetter oder Fußball redeten, als sich einem Gespräch zuzuwenden, das weh tun könnte.


Und wieder konnte sie so viel verstehen, dass sie beinahe alles damit erklärte.


Nur die Realität ihrer eigenen Erfahrung nicht.


Irgendwann begann sie, das Wort Enttäuschung für sich anders zu betrachten.


Als Ende einer Täuschung.


Nicht als Anklage gegen einen anderen Menschen.

Sondern als Einladung, die Dinge so anzusehen, wie sie tatsächlich waren.

Nicht so, wie sie sie sich wünschte.

Nicht so, wie sie vielleicht eines Tages werden könnten.

Und auch nicht so, wie sie sie mit genügend Bewusstsein, Mitgefühl und Verständnis erklären konnte.


Manchmal war ein Mensch nicht bereit für ein ehrliches Gespräch.

Manchmal blieb eine Frage unbeantwortet.

Manchmal wurde ausgewichen.

Manchmal gab es keine gemeinsame Aufarbeitung.

Keine Entschuldigung.

Keine Aussprache.

Keinen versöhnlichen Abschluss.

Und manchmal musste sie akzeptieren, dass sie einen Dialog nicht allein führen konnte.


Das tat weh.

Aber es war wahr.


Und die Wahrheit wurde mit der Zeit weniger schmerzhaft als der fortwährende Versuch, eine andere Realität daraus zu machen.



Das Herz


Besonders schwer fiel ihr das mit ihrem Herzen.


Sie hatte lange geglaubt, ein offenes Herz müsse offen bleiben.


Gerade dann, wenn es verletzt worden war.


Also öffnete sie es wieder.


Und wieder.

Und wieder.

Aus Liebe.

Aus Mitgefühl.

Aus Hoffnung.

Aus dem Wunsch nach Verbindung.


Bis ihr irgendwann klar wurde:


Sie hatte ihr Herz immer wieder ungeschützt in einen Krieg geschickt, den es gar nicht führen wollte.


Ihr Körper hatte das längst verstanden.


Er wurde deutlicher.


Unüberhörbarer.


Schluss damit.

Jetzt.

Falscher Weg.

Falsche Ausfahrt.


Und diesmal hörte sie hin.


Vielleicht bestand Selbstfürsorge manchmal nicht darin, das Herz möglichst schnell wieder für andere zu öffnen.


Vielleicht durfte sie es zunächst einmal für sich selbst öffnen.


Es halten.

Schützen.

Versorgen.

Ihm Zeit geben.


Nicht jede geschlossene Tür war Lieblosigkeit.


Manche Türen schützten etwas Kostbares.


Und eine Grenze bedeutete nicht:


Ich bin gegen dich.


Sie konnte bedeuten:

Ich achte nun auch mich, meine Bedürfnisse und meine Ressourcen.


Die Frau musste niemanden bestrafen, um eine Grenze zu setzen.

Sie musste niemanden zum schlechten Menschen erklären.

Sie musste nicht einmal aufhören zu lieben.


Sie durfte einfach sagen:

„Ich tue es für mich. Nicht gegen dich.“


Und noch etwas lernte sie:

Verstehen erklärt. Es entschuldigt aber nicht automatisch.


Sie konnte verstehen, warum ein Mensch geworden war, wie er war – und trotzdem anerkennen, was sein Handeln mit ihr gemacht hatte.


Sie konnte Mitgefühl für seine Geschichte empfinden, ohne die Verantwortung für seine Entscheidungen zu übernehmen.


Sie konnte jemanden lieben und trotzdem Abstand brauchen.


Sie konnte vergeben wollen und noch nicht vergeben können.


Und sie durfte einen Menschen lieben und trotzdem entscheiden, dass er keinen Platz mehr in ihrem Leben hatte.


Nicht jede Beziehung musste erhalten bleiben, damit die Liebe wahr gewesen war.


Nicht jeder Abschied machte das Gemeinsame wertlos.


Und nicht jedes Loslassen war ein Scheitern.



Die Zigarette


In einem anderen Raum fand sie eine Zigarettenschachtel.


Lange hatte sie sich dafür verurteilt.


Sie wusste schließlich, dass Rauchen nicht gesund war.


Noch so etwas, das sie wusste.


Doch diesmal sah sie genauer hin.


Und plötzlich sah sie nicht mehr nur die Zigarette.


Sie sah ein junges Mädchen, das dazugehören wollte.

Das erwachsen wirken wollte.

Cool vielleicht.

Vor allem aber nicht wieder zu empfindlich.


Später sah sie eine Frau, die Pausen brauchte.


Die manchmal hinausgehen musste.

Allein.

Durchatmen.

Dampf ablassen.

In den Himmel schauen.

Für einen Moment niemandem etwas geben oder funktionieren müssen.


Irgendwann war aus einer Strategie eine Gewohnheit geworden.


Aus der Gewohnheit eine Sucht.


Die Frau hielt die Zigarette in ihrer Hand.


Zum ersten Mal betrachtete sie sie nicht mit Scham.

Nicht mit Schuld.


Und auch nicht mit der Absicht, sich etwas schönzureden.


Sie verstand.

„Du hast versucht, mir zu helfen“, sagte sie leise.

„Heute möchte ich besser verstehen, was ich eigentlich brauche.“


Vielleicht durfte Veränderung diesmal nicht aus einem Kampf gegen sich selbst entstehen.


Vielleicht durfte sie aus Bewusstsein wachsen.

Und aus Mitgefühl.


So ging die Frau weiter durch ihr Haus.


Sie fand alte Überlebensstrategien.

Manche hatten sie geschützt.

Andere hatten dafür gesorgt, dass sie funktionierte, als eigentlich nichts mehr ging.


Früher hatte sie vieles davon bekämpft.


Heute konnte sie sich manchmal einfach daneben setzen.

„Danke. Du hast getan, was du konntest.“


Und nach einer Weile:

„Aber du musst heute nicht mehr alles für mich übernehmen.“


Manches durfte gehen.

Manches durfte noch eine Weile bleiben.

Auch das war neu.

Sie musste nicht mehr alles sofort loslassen, nur weil sie es erkannt hatte.


Bewusstsein war und ist schließlich keine Räumungsfirma.


Die Nagelfeile


Es gab noch einen Raum.


Dort standen Aktenschränke.


Sehr viele Aktenschränke.


Dazwischen lagen Formulare, Anträge, Vorschriften, Gesetze, Zuständigkeiten und Briefe an Institutionen und Menschen, von denen sie gehofft hatte, dass sie etwas verändern könnten.


Die Frau war lösungsorientiert.


Das war grundsätzlich eine wunderbare Eigenschaft.


Es konnte allerdings anstrengend werden, wenn sie auf Systeme traf, die nicht annähernd so viel Freude an Lösungen hatten wie sie.


Sie hatte geschrieben.

Gefragt.

Erklärt.

Auf Widersprüche hingewiesen.

Neue Perspektiven angeboten.

Und noch einmal geschrieben.


Nicht, weil sie jemanden bekämpfen wollte.


Sie wollte Verantwortung.

Gerechtigkeit.

Verständnis.

Mitgefühl.

Menschlichkeit.


Viele ihrer Schreiben blieben unbeantwortet.


Immer wieder begegnete ihr Ignoranz.


Und dann gab es zwischendurch diese kleinen Lichtblicke:


ein freundliches Gespräch,


einen Menschen, der zuhörte,


jemanden, der das System kannte und manche seiner Defizite genauso deutlich sah wie sie.


Für einen Moment entstand Verbindung.

Verständnis.

Manchmal sogar Hoffnung.


Doch auch dort kam häufig irgendwann der Punkt, an dem Menschen sich zurückzogen, Gespräche versandeten oder Türen wieder geschlossen wurden.


Nicht immer wusste sie, warum.


Vielleicht war auch für andere manches zu groß.


Zu unbequem.


Zu schmerzhaft.


Oder schlicht nicht veränderbar innerhalb der Rolle, in der sie selbst standen.


Ein Therapeut, der sie in dieser Zeit begleitete, schenkte ihr irgendwann ein Bild:


Sie versuche, mit einer Nagelfeile ein Stahlbrett zu durchbohren.


Die Frau hatte darüber gelacht.

Vermutlich auch deshalb, weil es erschreckend zutreffend war.


Sie betrachtete ihre alte Nagelfeile.


Sie hatte erstaunlich viel damit bearbeitet.


Nur das Stahlbrett sah weitgehend aus wie vorher.


Und noch immer war sie überzeugt, dass Menschen manchmal Schaden erlitten, der vielleicht verhindert werden könnte, wenn man gemeinsam bereit wäre, eine gesunde Fehlerkultur zu entwickeln.


Diesen Gedanken musste sie nicht aufgeben.


Aber mit der Zeit verstand sie etwas anderes.


Sie musste ihre Werte nicht aufgeben.


Auch ihre Stimme nicht.


Sie durfte weiterhin Fragen stellen.


Widersprechen.


Ungerechtigkeit benennen.


Verantwortung einfordern.


Und dort, wo sie etwas bewegen konnte, handeln.


Aber sie musste nicht mehr jedes Stahlbrett persönlich durchbohren.


Sie musste nicht jedes starre System zu ihrer Lebensaufgabe machen.


Und sie musste ihre Lebenskraft nicht dafür einsetzen, jeden Menschen von einer Wahrheit zu überzeugen, für die er gerade nicht offen war.


Sie musste keine Energie mehr darauf verwenden, Brücken für Menschen zu bauen, die gar nicht auf die andere Seite wollten.


Sie begann zu unterscheiden:


Was liegt wirklich in meiner Verantwortung?

Wo kann ich tatsächlich etwas beitragen?

Und wo verliere ich mich gerade wieder im Kampf gegen etwas, das ich im Moment leider nicht verändern kann?


Das war keine Gleichgültigkeit.


Keine Resignation.


Es war der Unterschied zwischen Verantwortung und Selbstaufgabe.

Vielleicht sogar zwischen Wirksamkeit und Aufreiben.


Die Frau legte die Nagelfeile in eine Schublade.


Nicht in den Müll.


Man wusste schließlich nie.


Dann musste sie lachen.


Manche Teile ihrer Persönlichkeit mussten nicht geheilt werden. Sie brauchten lediglich einen sinnvolleren Einsatzort.



Die Krone


In einem der letzten Zimmer fand sie ihre Krone.


Sie lag nicht auf einem Samtkissen.


Natürlich nicht.


Sie lag unter einem Stapel unerledigter Dinge, zwischen Selbstkritik und dem dringenden Bedürfnis, es allen recht zu machen.


Die Frau hob sie auf.


Sie war ein wenig verbeult.


„Passt“, sagte sie.


Und setzte sie auf.


Nicht, weil sie Königin über andere sein wollte.


Sondern weil sie sich erinnerte.


An ihre Würde.


Die Krone bedeutete nicht:

Ich mache alles richtig.


Sie bedeutete:

Auch wenn ich Fehler mache, verliere ich meine Würde nicht.


Auch wenn ich falle.

Auch wenn ich alte Muster wiederhole.

Auch wenn ich es besser weiß und trotzdem nicht besser kann.

Auch wenn ich müde bin.

Ungeduldig.

Wütend.

Verletzt.

Oder einfach vollkommen menschlich.


Vielleicht war genau das eine der schwierigsten Lektionen ihrer ganzen Reise:


Sie durfte sehr bewusst sein und trotzdem menschlich reagieren.

Sie durfte hohe Werte haben und ihnen trotzdem manchmal nicht gerecht werden.

Sie durfte viel wissen und trotzdem ratlos sein.

Sie durfte anderen Räume halten und selbst Halt brauchen.

Sie durfte lieben und Grenzen setzen.

Sie durfte stark sein und erschöpft.

Sie durfte wachsen und gleichzeitig Dinge in sich tragen, die noch nicht verheilt waren.


Sie durfte Mensch sein.



Die goldene Kiste


Gerade als die Frau das Zimmer verlassen wollte, fiel ihr in einer Ecke noch etwas auf.


Unter einer dünnen Staubschicht stand eine goldene Kiste.


Sie kannte diese Kiste.


Natürlich kannte sie sie.


Sie hatte nur lange nicht mehr hineingesehen.


Die Frau kniete sich hin und wischte vorsichtig den Staub vom Deckel.


Dann öffnete sie ihn.

Darin lagen ihre alten Notizbücher.

Viele davon waren vollgeschrieben.


Mit Gedanken.

Ideen.

Träumen.

Visionen.


Manche Seiten waren ordentlich beschrieben.


Andere mitten in der Nacht, zwischen zwei Terminen, beim Kaffee oder irgendwo unterwegs entstanden.


Auf manchen standen große Pläne.

Auf anderen nur ein einziger Satz.

Und manches, was sie dort vor vielen Jahren aufgeschrieben hatte, ließ sie heute staunen.


Das hatte sie einmal geträumt?


Sie blätterte weiter.

Und erinnerte sich.


An die Frau, die einmal geglaubt hatte, dass vieles möglich war.

Die große Fragen gestellt hatte.

Die Ideen hatte, die andere für ein wenig verrückt hielten.


Die sich eine menschlichere Welt vorstellen konnte, lange bevor sie wusste, welche Form ihr eigener Beitrag dazu einmal annehmen würde.


Diese Frau war nicht verschwunden.


Ihre Träume auch nicht.


Sie waren nur eine Zeit lang unter etwas anderem begraben gewesen.


Unter Funktionieren.

Durchhalten.

Verantwortung.

Verlusten.

Wiederaufstehen.

Und all den Tagen, an denen es vollkommen genügt hatte, einfach den nächsten Schritt zu schaffen.


Manche Träume erkannte sie heute kaum noch wieder.


Sie gehörten zu einer früheren Version von ihr.


Auch das war in Ordnung.


Nicht jeder Traum musste erfüllt werden, nur weil sie ihn irgendwann einmal geträumt hatte.


Manche hatten ihr eine Richtung gezeigt.

Manche hatten ihr Kraft gegeben.

Manche hatten sie durch eine bestimmte Zeit getragen.

Und manche durfte sie heute dankbar loslassen.


Doch dann gab es diese anderen.


Bei ihnen geschah etwas.


Während sie die alten Worte las, wurde es plötzlich warm in ihr.


Da war es wieder.

Dieses leise Kribbeln.

Diese Freude.

Dieses kaum vernünftige:

Was wäre, wenn …?


Die Frau lächelte.


Diese Träume waren nicht verschwunden.


Sie hatten gewartet.


Nicht darauf, dass die frühere Version der Frau zurückkehrte.

Sondern vielleicht genau auf die Frau, die jetzt vor dieser Kiste saß.


Auf die Frau, die nicht mehr glaubte, alles allein tragen zu müssen.

Die ihre Grenzen kannte.

Ihre Verletzlichkeit.

Ihre Kraft.

Ihre Widersprüche.

Die wusste, dass ein Traum nicht weniger wertvoll wurde, nur weil der Weg dorthin anders verlief als gedacht.


Sie nahm eines der Notizbücher heraus.


Auf die erste freie Seite schrieb sie:

Lass dir deine Träume von niemandem nehmen.


Dann hielt sie kurz inne.


Und ergänzte:

Auch nicht von dir selbst.


Sie betrachtete den Satz.

Ja.

So durfte er bleiben.


Denn vielleicht brauchte ein Traum nicht immer einen Plan.

Vielleicht brauchte er manchmal nur einen Menschen, der bereit war, ihn nicht länger für unmöglich zu erklären.


Die Frau legte das Notizbuch nicht zurück in die Kiste.


Sie nahm es mit.


Die goldene Kiste durfte bleiben.


Aber ihre Träume mussten nicht länger darin aufbewahrt werden.


Sie durften wieder mit ihr leben.



Zuhause


Am Abend öffnete sie die Fenster.


Frische Luft strömte herein.


Sie atmete ein.

Und wieder aus.


Für einen Moment musste nichts anders sein.


Sie stand einfach dort.

In ihrem eigenen Zuhause.

Nicht fertig.

Nicht von allem geheilt.

Nicht erleuchtet.

Nicht übermenschlich.

Aber da.

Ganz da.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit empfand sie Frieden nicht als Zustand, den sie erreichen musste.

Sondern als die Bereitschaft, sich selbst nicht mehr ständig zu verlassen.


Natürlich war das Haus am nächsten Morgen wieder unordentlich.


Das Leben war schließlich eingezogen.


Auf dem Küchentisch standen Kaffeetassen und Müslischalen.


Irgendwo lagen Schuhe herum.


Im Kühlschrank befand sich hoffentlich nur noch, was tatsächlich in einen Kühlschrank gehörte.


Und die Frau?

Sie war auch nicht plötzlich ein anderer Mensch geworden.


Manchmal verurteilte sie sich noch.

Manchmal bemerkte sie ihre Grenze erst, nachdem jemand längst darüber spaziert war.

Manchmal wusste sie ganz genau, was ihr guttun würde, und tat etwas völlig anderes.

Dann sah sie sich an.

Manchmal liebevoll.

Manchmal genervt.

Und manchmal musste sie einfach lachen.


Sie hatte aufgehört, aus jeder menschlichen Unvollkommenheit ein spirituelles Entwicklungsprojekt zu machen.


Das war ausgesprochen erholsam.


Sie begann, ihr Zuhause neu einzurichten.


Nicht nach den Vorstellungen anderer.

Nicht danach, was man angeblich brauchte.

Sondern danach, was sich wahrhaftig anfühlte.


Sie ließ Licht hinein.


Sie stellte Blumen auf den Tisch.


Sie machte Platz.


Nicht, weil sie wusste, was als Nächstes kommen würde.

Sondern weil sie bereit war, es zu empfangen.


Was lange in ihr gewachsen war, durfte Form annehmen.

Was sie erfahren hatte, durfte Ausdruck finden.

Was sie verstanden hatte, durfte verkörpert werden.


Und was sie nicht mehr brauchte, durfte in Dankbarkeit zurückbleiben.

Denn mit leichtem Gepäck reist es sich leichter.


Die Frau stand noch einmal in der offenen Tür.


Sie war nicht am Ende ihres Weges angekommen.


Vielleicht war sie gerade erst wirklich bereit, ihn zu gehen.


Aber diesmal würde sie sich nicht mehr verlassen, um irgendwo anzukommen.


Denn sie wusste:

Wo auch immer ihr Weg sie hinführen würde – ihr Zuhause nahm sie mit.


Denn Zuhause war für sie kein Ort.

Zuhause war ein wunderbares Gefühl.


Dieses stille Gefühl, mit sich verbunden zu sein.

Im eigenen Körper anzukommen.

Mit beiden Füßen auf der Erde zu stehen und gleichzeitig den Himmel nicht aus den Augen zu verlieren.

Zu wissen, was ihr wichtig war, ohne es jedem anderen beweisen zu müssen.

Sich selbst treu zu bleiben, ohne zu verlangen, dass andere denselben Weg gingen.


Früher hatte sie manchmal geglaubt, wenn sie etwas als wahr, wichtig oder heilsam erkannt hatte, müsse sie es nur gut genug erklären.


Dann würden die anderen es doch auch sehen.


Sie hatte argumentiert.

Erklärt.

Überzeugt.

Und manchmal vermutlich auch ein bisschen missioniert.


Nun ja.


Die Frau war schließlich lernfähig.


Heute verstand sie:


Liebe bedeutet nicht, einen anderen Menschen auf den eigenen Weg zu führen.


Manchmal bedeutet Liebe, seinen Weg zu achten.

Auch wenn sie ihn nicht verstand.

Auch wenn sie ihn nicht gewählt hätte.

Auch wenn der andere ihre Vision nicht teilte.


Sie durfte ihre Wahrheit leben, ohne sie zur Wahrheit eines anderen Menschen machen zu müssen.


Sie durfte einladen.

Eine Tür öffnen.

Einen Erinnerungsfunken schenken.


Und dann loslassen.


Aus Respekt vor der Freiheit und Würde des anderen.


Vielleicht war auch das Zuhause:


Nicht mehr überall dazugehören zu müssen.

Nicht mehr von allen verstanden werden zu müssen.

Nicht mehr jeden retten zu wollen.

Nicht mehr jede Ungerechtigkeit allein tragen zu müssen.


Und trotzdem das Herz nicht zu verschließen.


Sie konnte die Welt lieben, ohne mit allem einverstanden zu sein.


Sie konnte Veränderung wünschen, ohne gegen Bestehendes kämpfen zu müssen.


Sie konnte Menschen lieben und sie trotzdem gehen lassen.


Und sie konnte ihren eigenen Weg weitergehen, während andere einen vollkommen anderen wählten.


Da spürte sie wieder diesen Frieden.


Nicht den Frieden einer perfekten Welt.

Nicht den Frieden eines konfliktfreien Lebens.

Sondern einen Frieden, der tiefer lag.

In ihr.


Sie atmete ein.

Und aus.


Spürte die Erde unter ihren Füßen.


Hob den Blick zum Himmel.


Und lächelte.


So fühlt sich Zuhause an.




Gemalte Frau vor geöffneter Terrassentür mit Blick auf eine alte Eiche und den Sternenhimmel – Symbol für das Ankommen bei sich selbst.
Gemalte Frau vor geöffneter Terrassentür mit Blick auf eine alte Eiche und den Sternenhimmel – Symbol für das Ankommen bei sich selbst.


Bildidee & künstlerische Konzeption: Tanja Vießmann-Schmell · visuelle Umsetzung mit Unterstützung von ChatGPT/OpenAI.


Zuhause ist kein Ort. Zuhause ist ein wunderbares Gefühl.


Wenn du die Geschichte lieber hören möchtest, findest du die eingesprochene Version auch in meinem Podcast Zuhause in mir.


Von Herzen,

Tanja


© 2026 Tanja Vießmann-Schmell


Kommentare


bottom of page