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vor 31 Minuten
7 Min. Lesezeit

Was brauche ich eigentlich - wirklich?


Wie wir uns zwischen Erwartungen, Verantwortung und Funktionieren selbst aus dem Blick verlieren können – und wieder mehr bei uns ankommen.


Die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen klingt selbstverständlich – und kann erstaunlich schwierig sein. Erwartungen von außen, eigene Ansprüche, Verantwortung für andere und ein dauerhafter Funktionsmodus können dazu beitragen, dass wir sehr genau wissen, was andere brauchen, während unsere eigenen Bedürfnisse immer leiser werden. Doch wie finden wir wieder heraus, was uns wirklich wichtig ist – und welche Verantwortung tatsächlich zu uns gehört.


Was brauchst du gerade?


Eine einfache Frage.


Und gleichzeitig eine Frage, auf die wir manchmal erstaunlich schwer eine Antwort finden.


Wir wissen häufig ziemlich genau, was heute noch erledigt werden muss.

Was unsere Familie braucht.

Was im Beruf von uns erwartet wird.

Wem wir noch antworten wollten.

Welches Problem gelöst werden müsste.

Vielleicht wissen wir sogar sehr schnell, wie es anderen Menschen geht.


Aber was brauche ich?


Da wird es manchmal plötzlich still.


Nicht unbedingt, weil wir uns selbst nicht kennen.


Vielleicht haben wir nur sehr lange trainiert, alles andere zuerst wahrzunehmen.



Wie wir uns selbst aus dem Blick verlieren


Wir verlieren uns nicht immer mit einem großen Knall.


Manchmal geschieht es ganz leise.


Noch eine Aufgabe.

Noch eine Verpflichtung.

Noch ein Mensch, der etwas braucht.

Noch ein Problem, für das wir uns verantwortlich fühlen.


Dazu kommen Erwartungen von außen – und die Erwartungen, die wir irgendwann an uns selbst stellen:


Ich muss das schaffen.

Ich darf niemanden enttäuschen.

Ich muss stark sein.

Ich sollte helfen.

Wenn ich eine Lösung sehe, muss ich doch etwas tun.


Irgendwann braucht es möglicherweise gar keinen Menschen mehr, der diese Erwartungen von außen an uns richtet.


Wir haben sie längst selbst übernommen.


Auch unsere Erfahrungen und die Bedingungen, unter denen wir aufgewachsen sind und leben, können eine Rolle spielen.


Unter Umständen haben wir früh gelernt, uns anzupassen.

Manchmal war Harmonie sicherer als Konflikt.

Vielleicht bekamen wir Anerkennung dafür, vernünftig, leistungsfähig, pflegeleicht, hilfsbereit oder stark zu sein.

Oder wir haben Verantwortung übernommen, weil jemand sie übernehmen musste.


All das kann dazu beitragen, dass wir andere Menschen und ihre Bedürfnisse sehr aufmerksam wahrnehmen – und uns selbst dabei zunehmend aus dem Blick verlieren.



Wenn Funktionieren zum Dauerzustand wird


Funktionieren ist nicht grundsätzlich schlecht.


Es gibt Situationen im Leben, in denen wir handeln müssen. In denen Aufgaben erledigt werden müssen und nicht für jedes Gefühl sofort Zeit und Raum vorhanden sind.


Unser Stresssystem hilft uns dabei, auf Anforderungen zu reagieren. Problematisch kann es werden, wenn hohe Belastung zum Dauerzustand wird.


Forschung zu chronischem Stress zeigt, dass anhaltende Belastung unter anderem Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Gesundheit und kognitive Flexibilität beeinträchtigen kann.


Dann kann sich unser Leben zunehmend um die Frage drehen:

Was muss als Nächstes bewältigt werden?


Und immer weniger um:

Wie geht es mir eigentlich damit?


Was fühle ich?

Was brauche ich?

Was erschöpft mich?

Was gibt mir Kraft?


Deshalb greift der gut gemeinte Satz „Du musst einfach mehr auf dich hören“ für mich zu kurz.


Selbstwahrnehmung braucht Raum.


Und manchmal braucht Entwicklung auch Sicherheit, Unterstützung und tragfähige äußere Bedingungen.


Nicht jede Belastung lässt sich wegmeditieren, wegreflektieren oder mit positivem Denken verändern.


Manchmal müssen sich auch Bedingungen verändern. Und gerade äußere Bedingungen liegen nicht immer in unserem Einflussbereich.



Wenn wir anfangen, die Last anderer Menschen mitzutragen


Dieser Punkt war für meine eigene Reise besonders wichtig.


Ich habe irgendwann erkannt, wie viel meiner Energie zeitweise in andere Menschen geflossen ist.


In ihre Probleme.

Ihre Konflikte.

Ihre Sorgen.

Ihre Dramen.


Ich habe zugehört, mitgedacht, reflektiert, nach Lösungen gesucht und Verantwortung übernommen.


Manchmal auch Verantwortung, die gar nicht meine war.


Gerade wenn wir viel wahrnehmen, reflektieren und mit anderen Menschen mitfühlen, kann Helfen sich sehr selbstverständlich anfühlen.


Wir sehen, dass es jemandem nicht gut geht.


Vielleicht erkennen wir sogar eine mögliche Lösung.


Also helfen wir.


Doch zwischen Mitgefühl und Mit-Leid gibt es für mich einen wichtigen Unterschied.


Mitgefühl bedeutet nicht, mitleiden zu müssen


Mitgefühl kann bedeuten:


Ich sehe dein Leid. Es berührt mich. Ich bin dir zugewandt.

Und trotzdem bleibe ich bei mir.


Ich muss nicht selbst in dasselbe Loch springen, um einem Menschen darin beizustehen.


Ich darf am Rand stehen, meine Hand reichen und gleichzeitig meinen eigenen Boden unter den Füßen behalten.


Das ist nicht nur ein persönliches Bild: In der psychologischen Forschung werden empathisches Miterleben bzw. „empathic distress“ und Mitgefühl tatsächlich unterschieden.


Starkes empathisches Miterleben kann mit eigener Belastung verbunden sein, während Mitgefühl stärker mit Fürsorge und dem Wunsch verbunden wird, zu helfen.


Für mich bedeutet Mitgefühl deshalb nicht Gleichgültigkeit oder Distanz.


Im Gegenteil.

Es kann eine sehr tiefe Form von Verbindung sein.


Aber eine Verbindung, in der zwei Menschen weiterhin zwei Menschen bleiben.


Ich darf dich sehen, ohne dich zu retten.

Ich darf mitfühlen, ohne alles mitzutragen.

Ich darf dich begleiten, ohne deinen Weg für dich zu gehen.



Was, wenn der andere gar keine Lösung möchte?


Auch das war eine wichtige Erkenntnis für mich:


Manchmal suchen wir nach Lösungen für Menschen, die selbst gerade überhaupt keine Lösung suchen.


Vielleicht möchten sie gehört werden.

Andere möchten einfach ihren Ärger loswerden.

Oder sie möchten dieselbe Geschichte noch einmal erzählen.

Vielleicht wollen oder können sie im Moment nichts verändern.


Auch das darf ihre Entscheidung sein.


Aber ich darf gleichzeitig erkennen:

Ich muss ihre Geschichte nicht übernehmen.


Ich kann zuhören.

Ich kann Verständnis haben.

Ich kann eine Perspektive anbieten.

Ich kann unterstützen.


Aber ich kann nicht für einen anderen Menschen erkennen, entscheiden oder verändern.


Für mich gehört deshalb zu einem verantwortlichen Leben auch dieser Satz:


Verantwortung zu übernehmen bedeutet manchmal, Verantwortung dort zu lassen, wo sie hingehört.


Bei mir.

Bei dir.

Bei uns gemeinsam.

Oder bei Bedingungen und Systemen, die keiner von uns allein verändern kann.


Nicht alles liegt bei mir.


Und gleichzeitig bin ich nicht machtlos.


Beides kann gleichzeitig wahr sein.


Was kostet es uns, wenn wir zu viel tragen?


Jede Verantwortung braucht etwas.


Aufmerksamkeit.

Zeit.

Gedanken.

Emotionale Kapazität.

Energie.


Und irgendwann habe ich bei mir festgestellt:


Sehr viel meiner Energie floss in Themen und Menschen, auf die ich teilweise überhaupt keinen Einfluss hatte.


Diese Energie fehlte an anderer Stelle.


Bei meinen eigenen Bedürfnissen.

Bei meinen Ideen.

Bei meinen Projekten.

Bei Ruhe und Erholung.

Und bei Dingen, die mir Freude machen.


Das Interessante daran:


Meine eigenen Projekte brauchen natürlich ebenfalls Zeit und Energie.


Aber sie geben mir auch Energie zurück.


Wenn ich schreibe, etwas entwickle, Zusammenhänge entdecke oder etwas entstehen lasse, fühle ich mich lebendig.


Diese Dinge sind für mich nicht einfach weitere Punkte auf einer Aufgabenliste.


Sie gehören zu mir.


Sie sind für mich kein klassischer Beruf - ich folge dabei meinem inneren Ruf.


Wenn dafür dauerhaft kein Raum bleibt, weil ich meine Energie in fremden Baustellen verteile, verliere ich deshalb nicht nur Zeit.


Ich verliere ein Stück Verbindung zu mir selbst.



Warum fällt Veränderung trotzdem so schwer?


Selbst wenn wir all das erkannt haben, verändern wir unser Verhalten nicht automatisch.


Denn Verstehen und Verändern sind nicht dasselbe.


Unsere vertrauten Strategien sind nicht ohne Grund entstanden.


Manchmal hat Helfen einmal Zugehörigkeit geschaffen.


Anpassung hat vielleicht Konflikte vermieden.


Unter Umständen hat Funktionieren uns durch eine schwierige Lebensphase getragen.


Vielleicht gab uns Verantwortungsübernahme ein Gefühl von Sicherheit oder Kontrolle.


Deshalb müssen wir unsere vertrauten Verhaltensweisen nicht zu Feinden erklären.


Wir können stattdessen neugierig fragen:


Wozu hat mir dieses Verhalten einmal gedient?

Dient es mir heute noch?

Wann ist es hilfreich?

Und wo brauche ich inzwischen eine zusätzliche Möglichkeit?


Es geht nicht darum, aus einem hilfsbereiten Menschen einen Menschen zu machen, dem andere egal sind.


Es geht darum, unseren Handlungsspielraum zu erweitern.


Ich kann helfen.

Und Nein sagen.


Ich kann zuhören.

Und ein Gespräch beenden.


Ich kann mitfühlen.

Und muss nicht mitleiden.


Ich kann Verantwortung übernehmen.

Und Verantwortung dort lassen, wo sie hingehört.



Wie kann ich meine eigenen Bedürfnisse wieder wahrnehmen?


Vielleicht braucht es zunächst gar keine große Veränderung.


Ein erster Schritt kann Wahrnehmung sein.


Du kannst dich fragen:


Was beschäftigt mich gerade besonders?

Was davon gehört tatsächlich zu mir?

Was gehört zu einem anderen Menschen?

Was ist unsere gemeinsame Verantwortung?

Und was sind Bedingungen, die ich allein überhaupt nicht verändern kann?


Dann schau etwas genauer hin:


Wo unterstütze ich – und wo übernehme ich?


Wo suche ich nach Lösungen für jemanden, der selbst gerade gar keine Veränderung möchte?


Wo sage ich Ja, obwohl in mir eigentlich ein Nein auftaucht?


Welche Erwartungen versuche ich zu erfüllen?


Und stammen sie tatsächlich aus dem Außen – oder sind sie längst zu meinen eigenen geworden?


Und schließlich:


Was erschöpft mich?

Was trägt mich?

Was macht mir Freude?

Wobei fühle ich mich lebendig?

Was braucht in meinem Leben gerade mehr Raum?


Und eine Frage, die für mich besonders kraftvoll geworden ist:


Was würde in meinem eigenen Leben wieder möglich, wenn ich nicht mehr alles tragen würde, was gar nicht zu mir gehört?


Dabei bedeutet ein Bedürfnis wahrzunehmen nicht automatisch, dass wir es sofort erfüllen können.


Ich kann Ruhe brauchen und gleichzeitig Verpflichtungen haben.


Ich kann Verbindung brauchen und nicht bestimmen, ob ein anderer Mensch mir entgegenkommt.


Ich kann Freiheit brauchen und gleichzeitig Verantwortung tragen.


Bedürfnisse sind keine Bestellung ans Universum.


Aber wenn ich sie überhaupt wahrnehme, kann ich beginnen, sie in meine Entscheidungen einzubeziehen.


Und darin liegt für mich ein wichtiger Teil von Selbstwirksamkeit.



Meine eigene Reise zurück zu mir


In den vergangenen Wochen habe ich all das noch einmal auf einer anderen Ebene erlebt.


Viele Ideen.

Viele Möglichkeiten.

Viele Dinge, die ich tun könnte.

Und irgendwann wurde mir etwas sehr klar:

Nicht jede Möglichkeit ist meine Aufgabe.


Eine gute Idee darf eine gute Idee sein, ohne dass daraus sofort ein Projekt entstehen muss.


Und genauso gilt:


Nicht jedes Problem, das ich wahrnehme, ist mein Problem.

Nicht jeder Konflikt, den ich verstehe, braucht meine Lösung.

Nicht jeder Mensch, dessen Schmerz ich wahrnehme, braucht mich als Retterin.


Mit jedem Stück Verantwortung, das wieder dorthin durfte, wo es hingehört, entstand etwas:


Raum.


Für meine Bedürfnisse.

Für meine Arbeit.

Für meine Kreativität.

Für die Menschen und Projekte, die mir wirklich wichtig sind.


Und aus diesem Raum entstanden Klarheit, Fokus und eine neue Struktur.


Plötzlich wurde auch Potenzial sichtbar, das zwischen all den Möglichkeiten und Verantwortlichkeiten kaum noch Raum gehabt hatte.


Vielleicht ist genau das ein wesentlicher Teil einer Reise zurück zu mir.


Nicht irgendeine frühere Version von mir wiederzufinden.

Nicht mich neu zu erfinden.


Sondern immer wieder wahrzunehmen:


Wer bin ich heute?

Was brauche ich heute?

Was ist mir wichtig?

Was gehört zu mir – und was nicht?

Was liegt in meiner Hand?

Und wie möchte ich von hier aus weitergehen?


Genau darum geht es auch in REISE ZURÜCK ZU MIR.


Nicht darum, dich zu optimieren oder aus dir einen anderen Menschen zu machen.


Sondern darum, dich selbst besser zu verstehen: deine Bedürfnisse, Werte und Grenzen, deine Erfahrungen und Prägungen, deine Gedanken und Gefühle, deine vertrauten Strategien, deine Ressourcen und deinen tatsächlichen Handlungsspielraum.


Wenn du diese Reise selbstständig und in deinem eigenen Tempo gehen möchtest, kannst du das mit meinem Onlinekurs REISE ZURÜCK ZU MIR tun.












Wenn du dir zusätzlich einen geschützten gemeinsamen Raum, unterschiedliche Perspektiven und meine persönliche Begleitung wünschst, kannst du an der begleiteten Gruppenreise REISE ZURÜCK ZU MIR teilnehmen. Die nächsten Gruppen starten am 10. November 2026 und am 13. Januar 2027.











Vielleicht nimmst du heute aber auch einfach nur diesen Gedanken mit:


Du darfst mitfühlen. Du darfst verbunden sein. Du darfst unterstützen. Und du darfst trotzdem bei dir bleiben.


Denn:

Nicht alles, was du wahrnimmst, ist auch deine Aufgabe.


Von Herzen alles Liebe zu Dir, Tanja


Weiterführende Quellen:


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