- Tanja Vießmann-Schmell

- 21. Jan.
- 5 Min. Lesezeit
Aktuelle Zeitqualität – Warum wir ein verkörpertes Bewusstsein brauchen, um körperlich und psychisch gesund zu bleiben
Wir leben in einer Zeit, die sich für viele Menschen instabil, fordernd und zugleich seltsam richtungslos anfühlt.
Die alten Systeme, Strukturen und Glaubensmuster tragen nicht mehr – und das Neue ist noch nicht klar greifbar.
Vielleicht spürst du das auch in deinem Alltag:
emotionale Schwankungen oder Achterbahnfahrten, innere Unruhe, Erschöpfung oder körperliche Symptome, für die es keine eindeutige medizinische Erklärung gibt.
Vielleicht hast du das Gefühl, „eigentlich müsste doch alles gut sein“ – und trotzdem fühlt es sich nicht so an.
Diese Reaktionen sind kein persönliches Versagen. Sie sind Ausdruck einer Zeit, in der wir als Menschen an eine kollektive Schwelle gekommen sind.
Wo wir herkommen – Trennung als Grundprinzip
Um zu verstehen, warum so viele Menschen heute innerlich aus dem Gleichgewicht geraten, lohnt sich ein Blick zurück.
Das Industriezeitalter war geprägt von einem klaren Fokus:
Leistung, Effizienz, Wachstum.
Der Mensch wurde dabei zunehmend funktional betrachtet. Der Körper hatte zu funktionieren, Gefühle galten als störend, die Natur als Ressource.
Diese Haltung hat sich tief in unsere Systeme eingeschrieben – wirtschaftlich, politisch, medizinisch, aber auch psychologisch.
Viele von uns haben gelernt, sich selbst und ihre Bedürfnisse zu übergehen, um zu „funktionieren“. Nicht aus Bosheit, sondern aus Anpassung.
Diese Trennung – von Körper, Gefühl und innerem Erleben – wirkt bis heute nach.
Das Informationszeitalter – Wissen ohne Sicherheit
Mit dem Informationszeitalter kam etwas Neues: Zugang zu Wissen. Heute können wir fast alles lernen, recherchieren, verstehen.
Und doch erleben viele Menschen genau jetzt eine tiefe innere Unsicherheit.
Warum? Weil Wissen allein nicht reguliert. Weil Verstehen allein kein Gefühl von Sicherheit erzeugt. Die Welt ist zu schnelllebig und komplex geworden, die Informationen zu vielfältig und widersprüchlich, das erzeugt Unsicherheit und Überforderung.
Viele Menschen sind kognitiv hoch informiert – und gleichzeitig körperlich im Dauerstress. Darauf reagiert unser Nervensystem. Und wenn Sicherheit nicht fühlbar ist, im Körper und im Nervensystem bleibt der Stress bestehen und das Nerven- und Körpersystem geht in den Überlebensmodus.
Damit zeigt sich eine zentrale Erkenntnis dieser Zeit:
Mentale Einsicht und Wissen allein reicht nicht aus.
Der Übergang – warum wir von Bewusstsein sprechen
Der Wandel, den wir gerade erleben, ist erstmal kein weiterer Entwicklungsschritt im Außen. Er fordert einen Rückweg nach innen, bevor es ein Evolutionsschritt für die Menschheit werden kann. Aktuell befinden wir uns im Geburtsprozess einer neuen Zeit und der ist teilweise sehr schmerzhaft.
Wir treten ein in ein Zeitalter des Bewusstseins – nicht im Sinne von höher, schneller oder spiritueller Optimierung, sondern im Sinne von Ganzheitlichkeit.
Bewusstsein bedeutet hier:
den Menschen als Einheit von Körper, Seele und Geist zu verstehen
zu erkennen, dass Heilung nicht linear ist
und dass Sicherheit nicht gedacht, sondern erlebt werden muss
Es geht um Rückverbindung:
zur eigenen Körperwahrnehmung
zu menschlichen Grundbedürfnissen
zu natürlichen Zyklen und Rhythmen
zu echter Beziehung – zu uns selbst und zu anderen.
Wie Leben eigentlich gedacht ist
Wir sind Teil der Natur. Unser Körper folgt Zyklen, nicht Dauerschleifen.
Doch unsere heutige Lebensweise ignoriert viele menschliche Grundbedürfnisse:
Sicherheit
Bindung
Ruhe
Sinn
Zugehörigkeit
Abraham Maslow hat das bereits vor Jahrzehnten klar benannt: Wenn diese Bedürfnisse nicht erfüllt sind, können wir nicht gesund bleiben – weder psychisch noch körperlich.
Viele der heutigen Symptome sind daher kein individuelles Problem, sondern eine kollektive Überforderung.
Das Nervensystem – die Brücke zwischen Körper und Bewusstsein
An diesem Punkt wird das Nervensystem zentral.
Unser autonomes Nervensystem stellt permanent eine einzige Frage: Bin ich sicher?
Wenn die Antwort „Nein“ ist, aktiviert sich der Sympathikus. Stresshormone wie z.B Cortisol oder Adrenalin werden ausgeschüttet. Der Körper geht in Alarmbereitschaft.
Kurzfristig schützt uns das und unterstützt in Aktivphasen. Langfristig jedoch führt Dauerstress zu:
Schlafstörungen
Verdauungsproblemen
hormonellen Dysbalancen
emotionaler Erschöpfung oder innerer Taubheit
Erst wenn das Nervensystem Sicherheit wahrnimmt, kann der Parasympathikus aktiv werden, der für Entspannung und Regeneration steht. Dann wird neben anderen Hormonen z.B. Oxytocin ausgeschüttet – das Hormon das für Bindung, Vertrauen und Heilung mit zuständig ist.
👉 Bewusstsein ohne Nervensystem-Regulation bleibt abstrakt.
Und Spiritualität ohne Verkörperung oder gesunde Erdung kann sogar überfordernd wirken. Das habe ich selbst erfahren und es war nicht nur nicht angenehm - es hat mich in eine lebensbedrohliche Lage gebracht. Gerade deswegen ist es mir heute so wichtig, Menschen daran zu erinnern, dass Spiritualität geerdet werden muss, denn unser Körper hat durchaus Grenzen und menschliche Grundbedürfnisse.
Warum Veränderung in uns beginnt – aber dort nicht endet
Ja, Veränderung beginnt immer im Inneren. Aber sie darf dort nicht stehen bleiben.
Solange politische, wirtschaftliche und mediale Systeme weiterhin auf Angst, Spaltung und Mangel setzen, bleiben viele Menschen im Überlebensmodus gefangen.
Das gilt nicht nur für klassische Medien, sondern auch für alternative Räume. Angst bindet Aufmerksamkeit. Mit Angst lassen sich noch gute Geschäfte machen – aber sie destabilisiert Nervensysteme und das wirkt sich auf alle Beteiligten nachteilig aus. Ob wir das wahrhaben wollen oder nicht, jede unserer Handlung fällt irgendwann auf uns zurück. Im Guten, wie im Schlechten.
Deshalb braucht es Verantwortung auf allen Ebenen:
individuell
gesellschaftlich
politisch
medial
Denn die besten Selbstfürsorgeprogramme laufen ohne strukturelle Humanität und Stabilität ins Leere.
Der Übergang zu Selbstliebe und Selbstmitgefühl
Individuell ist eine gute Beziehung mit sich selbst enorm wichtig, Selbstreflektion und ein gesundes Körperbewusstsein essenziell. Selbstliebe spielt hier eine große Rolle, wir aber an diesem Punkt oft missverstanden.
Selbstliebe ist kein Ego-Thema. Kein „sich etwas Gutes gönnen“. Kein positives Denken.
Selbstliebe ist die Fähigkeit, sich selbst nicht zu verlassen, wenn es schwierig wird. Selbstliebe bedeutet für sich, seine Werte und Bedürfnisse einzustehen.
Viele Menschen handeln in belastenden Situationen nicht bewusst oder rational. Wenn das Nervensystem im Überlebensmodus ist, übernimmt nicht der Verstand – sondern das autonome System.
Dann entstehen Worte, Handlungen und Entscheidungen, die wir später zutiefst bereuen. Schuld, Scham und Angst sind häufig die Folge.
Diese Gefühle brauchen keinen Druck – sondern Verständnis, Mitgefühl und sichere Begleitung. Denn wenn Menschen in den Gefühlen von Angst, Schuld und Scham steckenbleiben, befinden sie sich im Dauerkrieg mit sich selbst. Das wirkt sich sowohl gesundheitlich als auch familiär und gesellschaftlich aus.
Trauma verstehen – jenseits von Schuld
Trauma ist nicht das Ereignis. Trauma ist die Wunde und das, was im Nervensystem zurückbleibt.
Biografische Erfahrungen, transgenerationale Prägungen und kollektive Traumata wirken oft unbewusst weiter – über Generationen hinweg.
Menschen in Not handeln nicht aus Bosheit. Sie handeln aus Überforderung und existenzieller Not. Eine traumasensible Haltung erkennt genau das an.
Meine Haltung – Begleitung statt Bewertung
In meiner Arbeit ist mir eines besonders wichtig: Ich begegne jedem Menschen mit Respekt vor seiner Geschichte. - selbst einem Straftäter, denn es hat eine tiefe Ursache, warum er dazu geworden ist.
Ich arbeite nicht mit schnellen Tools oder oberflächlichen Lösungen. Ich weiß aus eigener tiefgreifender Erfahrung, wie komplex innere Prozesse sind.
Ich kann mit allem umgehen, was ein Mensch mitbringt – auch mit Schuld, Scham und Angst. Nicht, um etwas zu rechtfertigen, sondern um Wege zurück in Verantwortung, Würde und Selbstmitgefühl zu eröffnen.
Heilung braucht Zeit. Und sie braucht eine vertrauensvolle Beziehung, die Sicherheit vermittelt.
Urvertrauen – Rückverbindung zum Ursprung
Urvertrauen kommt von Ursprung. Von Quelle. Von der Erfahrung, Teil eines größeren Ganzen zu sein.
Trennung ist eine Illusion – aber eine sehr wirksame.
Urvertrauen entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch die Fähigkeit, Veränderung zu halten. Dazu gehört, der Angst vor dem Unbekannten zu begegnen. Der Angst vor Verlust. Der Angst vor dem Tod.
Wenn wir lernen, diese Ängste im Körper zu fühlen, statt sie zu verdrängen, entsteht etwas Neues: innere Weite und eine fühlbare Verbindung zu allem was existiert. Wenn wir das erfahren und fühlen können, sind wir nicht mehr über Angst steuer- und manipulierbar.
Einladung
Wenn du spürst, dass dich diese Themen berühren und du dir eine tiefere, ehrliche Begleitung wünschst, lade ich dich herzlich zu einem kostenfreien Kennenlerngespräch ein.
Mehr Informationen findest du auf meiner Website unter: Meine Arbeit oder dem Menüpunkt kostenfreies Kennenlerngespräch.
Dort erfährst du auch mehr über mein 8-wöchiges Gruppenprogramm„Stabilität 2026“ –für Menschen, die in dieser Zeit nicht nur überleben, sondern verwurzelt, bewusst und verbunden leben möchten.
Ich freue mich auf Dich und wünsche Dir ein stabiles 2026 in guter Beziehung mit Dir selbst.
Alles Liebe, Tanja




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